Aktuell angebotene Autonome Tutorien *Online*

Dieses Jahr zum ersten Mal haben Mitstudierende der Frankfurt UAS, der TU Darmstadt und der Uni Marburg sich die Mühe gemacht, sich in verschiedene Fragestellungen und Themenkomplexe einzuarbeiten, um diese nun wöchentlich als Autonome Tutorien online anbieten zu können. Für euch also die sehnlichst vermisste Gelegenheit, endlich den Anschluss an heiß diskutierte Debatten zu finden, endlich ein tieferes Verständnis von Wissenschaft und Gesellschaft zu erarbeiten, endlich die von verschulten Modulplänen ausgesparten Ansätze zu ihrem Recht zu bringen und endlich Einsichten zu gewinnen, die ihren Zweck nicht mit bestandener Klausur erfüllen.

Autonome Tutorien widmen sich Themen, die im straffen Lehrplan der Form und dem Inhalt nach keinen Platz finden. Sie bieten die Möglichkeit, eigenen wissenschaftlichen Interessen ungezwungen nachzugehen und sie in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen. Das ist angesichts des stetigen Drucks im Studienalltag zwar leider häufig kaum möglich, der Erfahrung nach finden sich in den Tutorien aber dennoch viele Studierende ein, denen das Thema am Herzen liegt und die die Zeit und Muße mitbringen, sich der Sache aufmerksam zu widmen. Und gerade bei schwierigeren Themen werden Wissenshierarchien nicht gegeneinander ausgespielt, sondern alle Teilnehmenden mit einbezogen.

Um die Zugangsdaten zu den Onlinetutorien zu erhalten, schreibt bitte ein Mail an tutorien@asta-fra-uas.de und nennt den Titel des Tutoriums, an dem ihr teilnehmen wollt. Ein späterer Einstieg ist jederzeit möglich.

Wir hoffen auf euer reges Interesse und freuen uns auf eure Teilnahme!

Solltet ihr allgemeine Fragen haben, schreibt uns gerne an
tutorien@asta-fra-uas.de. Bei Fragen zu den einzelnen Tutorien, schreibt den jeweiligen Tutor*innen einfach direkt.

Ihr möchtet selbst ein Tutorium anbieten? Gegen Ende der Vorlesungszeit wird eine Bewerbungsfrist durch Aushänge und auf der Homepage des AStA bekanntgegeben. Die eingereichten Konzepte werden dann anonymisiert und von einer vom AStA gestellten Auswahlkommission diskutiert und ausgewählt. Alle weiteren Informationen dazu findet ihr auf unserer Übersichtsseite zur Bewerbung.

Die Tutorien

„Die Menschen haben zugelassen, daß die Maschinen, die ihnen zu dieser Abschaffung [des Unrechts] verhelfen könnten, zu Naturwesen werden, deren Früchte man nicht ernten kann, weil sie keine mehr hervorbringen; wie schlafende Pflanzen im Winter. Die Menschen müssen ihre Maschinen befreien, damit die sich revanchieren können.“ (Dath 2008)

Die Stichwörter „Automatisierung“ und „Digitalisierung“ sind in aller Munde. Doch wie wird beides eigentlich angewendet im Kapitalismus? Dietmar Dath stellt in seiner Streitschrift „Maschinenwinter. Wissen, Technik, Sozialismus“ die Frage „Haben wir nicht Maschinen gebaut, die den Mangel abschaffen sollten?“ (Dath 2016). Er spricht hier vor allem die zunehmende Armut und Arbeitslosigkeit an. Doch was ist eigentlich eine Maschine und wie hat sie sich verändert im Zuge der sogenannten Digitalisierung? Welche Rolle spielt dabei die Wissenschaft? Diesen Fragen wollen wir in Anlehnung an Marx’ sogenanntes „Maschinenfragment“ nachgehen. Außerdem soll im Tutorium anhand Dietmar Daths Streitschrift diskutiert werden, inwiefern sich aus dieser Veränderung emanzipatorische Gedanken für aktuelle gesellschaftliche Probleme ergeben.

Montags 14:25 – 15:55
Kontakt: Angelina ( angi.trippler@web.de )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Die sogenannte „Flüchtlingskrise“ ist spätestens seit 2015 in aller Munde und ist als diskursiver Bezugspunkt kaum noch wegzudenken. Anhand des Krisenbegriffes und dessen Konjunktur seit dem Langen Sommer der Migration im Jahr 2015, lässt sich die Funktionsweise des europäischen Grenzregimes und seine Krise ausführlich analysieren. In dem Tutorium werden wir gemeinsam die Funktionsweise und den Kontext des europäischen Migrationsregimes analysieren und dessen Krise durch die Migrationsbewegungen im 2015er Langen Sommer der Migration nachvollziehen und verstehen. Ziel ist es sich der Gleichzeitigkeit von emanzipatorischen Kämpfen um Migration und von repressiven Politiken anzunähern und diese theoretisch mit den Konzepten der Autonomie der Migration gegenüber strukturellen Unterdrückungs- und Gewaltverhältnissen des europäischen Grenzregimes zu diskutieren. Außerdem sollen aktivistische Praktiken der Solidarität im Kontext des Grenzregimes ebenso thematisiert werden, wie juristische Interventionen im Feld von (Flucht-) Migration. In Abgrenzung zur klassischen Migrationsforschung werden wir zunächst grundlegenden Fragen nachgehen: Wie funktionieren Grenzen, welche Funktion übernehmen sie und welchen Interessen dienen sie? Wie funktioniert das EU Migrationsregime und welche widerständigen Praktiken gibt es? Als zentraler Bezugspunkt für diese Fragen wird uns das Buch „Der Lange Sommers der Migration“ von Hess et al. dienen, das 2017 als 3. Band der Grenzregime Reihe erschienen ist.

Montags 16:15 – 17:45
Kontakt: Darius ( duriam@posteo.eu )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Das Verhältnis von Politik und Moral ist ein kompliziertes: Auf der einen Seite stellen wir alle wie selbstverständlich moralische Forderungen an unsere politischen Institutionen, wenn wir etwa Gerechtigkeitskriterien geltend machen, um entweder die Umverteilung von Wohlstand oder aber die strenge Einhaltung des Leistungsprinzips zu fordern; auf der anderen aber wird gegen diese Anwendung der Moral auf politische Verhältnisse auch regelmäßig der Appell an eine nüchterne, realitätsgerechte, realpolitische Betrachtung von Macht- und Besitzverhältnissen gewendet. Jede Seite löst den Konflikt zwischen dem, was die Welt ist und dem, was sie sein sollte, in eine andere Richtung auf: Die Welt soll sich entweder nach dem Ideal richten und womöglich auch fundamental verändern oder das Ideal gerade nur soweit gültig sein, wie es sich in der Welt, wie sie nun einmal ist, unterbringen lässt. Der Streit zwischen diesen Grundpositionen durchzieht die Geschichte des Denkens über Politik von seinen Anfängen in der Antike bis in die Moderne. In diesem Tutorium wollen wir die verschiedenen Stationen dieser Auseinandersetzung nachvollziehen, wobei im Zentrum das sich verändernde Verständnis des Staates und seiner Funktionen – vom frühmittelalterlichen christlichen Gemeinwesen über den liberalen Nachtwächterstaat bis hin zum modernen Verwaltungsapparat – stehen soll. Dabei soll sich zeigen, ob es nicht doch möglich ist, die beiden scheinbar unvereinbaren Positionen in ein sinnvolles Verhältnis zueinander zu setzen. Wir werden dazu mit Klassikern der politischen Ideengeschichte arbeiten, eine Vorkenntnis im Bereich der politischen Philosophie ist jedoch ebenso wenig nötig, wie ein Studium der Geistes- oder Sozialwissenschaften, bei Bedarf kann mit grundsätzlicher Einführungsliteratur begonnen werden. Ich hoffe, euch bald im Tutorium zu treffen und freue mich auf einen interessanten Gedankenaustausch!

Montags 18:05 – 19:35
Kontakt: Sophia ( sophia.trippe@hotmail.com )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Sie ist Bezugspunkt für Studierende der Sozialwissenschaften und Philosophie im Hinblick auf ihr Forschungsinteresse, teilweise auch Sozialisationsagentur oder einfach nur ein Meme oder Quelle der Sticker am WG-Kühlschrank: Die radikale Linke. Doch was ist sie eigentlich und vor welchem realgeschichtlichen Hintergrund hat sie sich entwickelt und ihre Debatten ausgetragen? Diesen Fragen soll im Tutorium nachgegangen werden!
Wir wollen gemeinsam Texte lesen, die für die Entwicklung der radikalen Linken in Deutschland in den letzten 30 Jahren wichtig waren und die Debatten zu Themen wie Wiedervereinigung, Golf- und Jugoslawienkrieg geprägt haben und für das Verständnis und die Beurteilung von Problemen wie Rassismus, Queerfeindlichkeit und Antisemitismus wichtig wurden. Neben der Lektüre der Orignaltexte versuchen wir eine sozialgeschichtliche und -philosophische Einordnung dieser Bewegung vorzunehmen.

Dienstags 16:15 – 17:45
Kontakt: Johannes ( s9189060@stud.uni-frankfurt.de )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Dokumentationen über Datenanalyse-Unternehmen wie Cambridge Analytica, Anhörungen von Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress, sowie Beeinflussung von Wahlen, indizieren ein steigendes Interesse der Gesellschaft bezüglich Möglichkeiten der Beeinflussung durch das Internet.
In den Medien wird vor allem über die Auswirkungen und die möglichen Urheber solcher Angriffe diskutiert, wobei die Frage, wie eine solche Beeinflussung im Detail funktioniert – und was man dagegen tun könnte – kaum Beachtung findet.
Das sind genau die Themen, mit welchen wir uns auseinandersetzten werden. Wie viel Arbeit und Manpower werden benötigt, um eine Wahl mit über 220 Millionen Wahlberechtigten signifikant zu beeinflussen? Wer hat Interesse an so etwas?
Und spielt es bei solchen Beeinflussungen eine Rolle, ob „gute“ oder „schlechte“ Ziele verfolgt werden? Das sind ethische Fragestellungen, mit welchen wir uns beschäftigen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Tutoriums liegt auf Gegenmaßnahmen, welche man aus dem Feld der Informatik versuchter Beeinflussung entgegensetzten kann. Die Möglichkeiten dafür sind breit gefächert. Beispielsweise wäre eine automatische Erkennung von Beeinflussungen auf besuchten Internetseiten möglich. Diese könnte zum Beispiel so aussehen, dass Textpassagen in welchen sich der Autor Stilmitteln der Beeinflussung bedient farblich gekennzeichnet werden. Damit könnte Bewusstsein bei dem Nutzer bezüglich Beeinflussung geschaffen werden. Was für gesellschaftliche Implikationen ergeben sich aus diesen Methoden?
Das Ziel des Tutoriums ist es folglich, die gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch Beeinflussungen im Informationsraum entstehen herauszuarbeiten und zu erörtern, sowie mögliche Gegenmaßnahmen, sowie deren ethischen Implikationen zu betrachten.

Dienstags 18:05 – 19:35
Kontakt: Annemike ( autonomestutorium2019@t-online.de )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Wo ist das schöne Leben? Wie kann ich es bekommen? Wo muss ich mich dafür anstellen? Wie kann es Gleichheit geben? Wo bekomme ich die Freiheit her? Was ist das überhaupt für eine Überschrift für ein Autonomes Tutorium? Viele Fragen. Direkte Antworten gibt es nicht. Komplexe Zusammenhänge und Erklärungsversuche schon. Es gibt genügend Vordenker*innen und Praxisbeispiele, die eine selbstorganisierte, solidarische Gesellschaft möglich machen. Zunächst werden wir mit Pjotr Alexejewitsch Kropotkin einen der bekanntesten Vertreter des Anarchismus widmen und uns mit seinem wohl wichtigsten Werk Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt beschäftigen und die Thesen analysieren. Nach einem geschichtlichen Rückblick schauen wir in die Gegenwart, wo und wie in den aktuell gegebenen gesellschaftlichen Rahmen die Basisdemokratie Anwendung findet. Denn es gibt sie auch heute: die Alternative zum Jetzigen. Sowohl auf lokaler Ebene aber auch beim Blick über den Tellerrand hinaus. Dabei widmen wir uns verschiedenen Texten u. A. von Murray Bookchin, Augustin Souchay, Jens Kastner. Denn ja, es gibt sie. Die Alternativen zum Jetzigen. Jede*r ist willkommen. Egal in welchem Semester, aus welchem Fachbereich oder welche Vorkenntnisse: Fragend schreiten wir voran!

Dienstags 18:05 – 19:35
Kontakt: Benedikt ( fragend-schreiten-wir-voran@gmx.de )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

In unserem Alltag begegnen uns allerlei Instanzen und Menschen, die für sich und uns gegenüber Autorität beanspruchen: Bspw. die Lehrkraft der Universität, die Ärztin, Vertreterinnen staatlicher Institutionen. Dabei erscheinen in Lehrkraft, Ärztin und staatlicher Institution unterschiedliche Formen von Autorität, die auf je eigene Weise begründet wird: Aufgrund einer Position, einer Expertise oder der Androhung von Sanktionen. So unterschiedlich sich diese Arten von Autorität darstellen, so sehr haben sie etwas gemein: Autorität muss anerkannt werden. Damit wir etwas aus freien Stücken anerkennen können, müssen wir es allerdings beurteilen können. Das lassen Situationen, in denen Autorität wirksam sein soll, zumeist nicht zu: Ob ein ärztlicher Rat sinnvoll ist oder nicht, können Laien nicht einschätzen. Nun kommt es in den meisten Warteräumen nicht zur Aufführung eines Medizinstudiums, das jemanden hierzu befähigen würde. Vielmehr wird dem anweisenden Rat gefolgt. Wir vertrauen der Autorität in der Sache. Ebenso ist die Ärztin darauf angewiesen, dass ihre Autorität in diesem Zusammenhang nicht bezweifelt wird, damit sie ihren Beruf ausführen kann. Was hier im Kontext der Sachautorität zu verdeutlichen versucht wurde, verweist auf einige Fragen zur Autorität im Allgemeinen: Was ist erforderlich, damit Autorität anerkannt wird? Wann lässt sich Autorität rechtfertigen und wann kippt sie in eine Herrschaft mit Zwangscharakter? Wie verhalten sich Autorität und Freiheit zueinander? Wann wird Autorität zu einem Problem?
Dieses Tutorium möchte sich Fragen wie diesen widmen. Sie sollen hierbei aus der Perspektive der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule der ersten Generation gestellt werden. Dabei stehen eher kleinere Autorennamen und Schriften im Vordergrund [bspw. Löwenthal, Neumann] – doch natürlich dürfen auch Adorno und Horkheimer nicht fehlen. Um diese Texte zu entziffern, werden zunächst einige Grundlagen klassischer Denkmotive der KT erarbeitet [Kant, Hegel, Marx], die für das Nachdenken über Autorität hilfreich sein könn[t]en. Dieses Tutorium ist damit eine Einführung in die Kritische Theorie – entlang des Autoritätsbegriffs – sowie eine Thematisierung dieses merkwürdigen Phänomens Autorität selbst.
Studierende aller Semester und Fächer – ebenso wie Textvorschläge – sind herzlich willkommen. Vorwissen ist nicht nötig, machen wir doch täglich die Erfahrung beanspruchender Autorität.

Mittwochs 14:25 – 15:55
Kontakt: Luis ( luis.basler@yahoo.de )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Personal privacy is one of the most pressing challenges in modern society. Information technology has developed by leaps and bounds, and increasing amount of data is collected, stored and processed. What happens to the data that is collected and how will it affect individual lives? What are consequences of wise-spread use of machine learning on the identity of individuals, on social relationships and for the society at large?
Privacy plays an important role in understanding these issues. Often privacy is discussed through the lens of individual information control and individual rights. However, this narrow view of privacy is inadequate and we need a broader perspective of privacy as a social value to better understand the impact of data-intensive and privacy-invasive technologies.
In this tutorium, we will use texts from sociology, law, philosophy and computer science to discuss the social dimension of privacy. Specifically, we will discuss the notion of group privacy, to account for big data analytics that pose a risk not only to individuals but also to groups. As this tutorium incorporates texts from various disciplines, students from all disciplines are welcome and no prior knowledge will be expected; although an interest in the role of technology in society is a prerequisite.

Wednesdays 18:05 – 19:35
Contact: Kris ( socialprivacy@posteo.de )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

In diesem Tutorium soll Elias Canettis Roman Die Blendung gelesen und – auch anhand von Begleittexten – besprochen werden. Canetti musste lange auf die Anerkennung seines Werkes warten und ist auch jetzt noch wenig beachtet, dabei geht schon von seiner dreiteiligen Autobiographie, die einem das 20. Jahrhundert zum Greifen nahe bringt, eine unglaubliche Sogwirkung aus.
Canettis Gesamtwerk durchzieht die Hoffnung auf Glück, die Ehrfurcht für das Leben und die Rebellion gegen den Tod. In seinem einzigen Roman zeigt Canetti unter anderem, wie die Individuen „einander entstellen und zerreißen“ (Canetti, Der Beruf des Dichters) und somit ihr mögliches Glück noch zusätzlich sabotieren. Die Zerfallenheit der Welt und ihrer Individuen in der Moderne stellt sich dar im phrasenhaften Ausdruck der Protagonisten, welche Canetti gekonnt konstruiert. Dessen Funktion der Distanzwahrung wird immer wieder untergraben durch Wünsche und Aggressionen, die diese sprachlichen Panzer durchbrechen.
In seinem Essay Der Beruf des Dichters charakterisiert Canetti das Verharren in Trauer und Verzweiflung des Dichters in seinem Werk als Voraussetzung des Aufspürens eines Auswegs aus diesem Nichts, welches diese Situationen individuell und kollektiv für ihn darstellen.
1935 zum ersten Mal erschienen, nimmt der Roman die Umbrüche des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts auf und drückt diese mit groteskem Humor aus. Einflüsse dieser Zeit, wie Sigmund Freuds Psychoanalyse und Karl Kraus’ Kulturkritik sollen zwar betrachtet werden, im Mittelpunkt des Tutoriums sollen aber vor allem der Roman und Canettis sprachliche und literarische Mittel und Verfahren stehen.

Mittwochs 18:05 – 19:35
Kontakt: Tonguç ( hobbesthethird@gmail.com )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

„Ladies and gentlemen, the people of Israel have come home never to be uprooted again.“
(Benjamin Netanjahu, israelischer Ministerpräsident vor der UN Vollversammlung 2013)

Der einzige jüdische Staat der Welt hat es nicht leicht. Seit der Staatsgründung 1948 war es erklärtes Ziel der feindlich gesinnten Nachbarstaaten alle Israelis ein für alle Mal ins Meer treiben zu wollen. Ein anhaltender palästinensischer und jihadistischer Terrorismus sowie die ständige Bedrohung durch die islamische Republik Iran zeigen, dass es sich weiterhin zu verteidigen gilt. Währenddessen solidarisieren sich weite Teile der westlichen Linken mit jenen, die der Vernichtung Israels zuarbeiten. Neonazis wie die „Die Rechte“ betrieben zur letzten Europawahl mit der alten Parole „Israel ist unser Unglück“ Wahlkampf und Gruppen wie Boycott, Divestment and Sanctions rufen zum Boykott israelische Produkte, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen auf. Angriffe auf Israels Bevölkerung und legitime Interessen des jüdischen Staates werden mit der allgegenwärtigen Rede von der „Spirale der Gewalt“ vertuscht. Deutsche Medien stellen allzu gerne den von Holocaust-Überlebenden gegründeten Staat als neuen Täter dar. Auch auf internationaler Ebene heißt es vielfach, die einstigen Opfer seien nun die Unterdrücker des „palästinensischen Volkes“. Im Tutorium soll unter anderem diskutiert werden, was angesichts der deutschen Außenpolitik, die die Sicherheit Israels zur Staatsräson erklärt, aber seinen Feinden Rückendeckung bietet von Aussagen zu halten ist, man sei „wegen Auschwitz in die Politik gegangen“.
Durch die gemeinsame Lektüre aktueller, meist wissenschaftlicher, jedoch leicht verständlicher Beiträge und einiger Fallbeispiele sowie an Hand des Dokumentarfilms „Hate Spaces“ sollen die alten und aktuellen Feinde Israels genauer betrachtet, ihre Argumentationsweise analysiert und hinterfragt werden. Hierbei soll letztlich aufgezeigt werden, dass sich hinter „Antizionismus“ oder „Israelkritik“ das alte antisemitische „Gerücht über die Juden“ (Adorno) versteckt.

Donnerstags 16:15 – 17:45
Kontakt: Tim ( kritikdesantisemitismus@gmx.de )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Private Raumfahrt zum Mars, Kampfroboter, die Pakete zustellen, Mikrochipimplantate im Gehirn, Industrie 4.0, Big-Data-Analyse im Warenlager und immer größere SUV. Während manche jede noch so irrsinnige Verschiebung der Grenzen des technisch Möglichen unhinterfragt als Großtaten (meist männlicher) Ingenieure zelebrieren, drängt sich disziplinübergreifend immer mehr die Frage auf, wie bewusst oder unbewusst Technologie entwickelt wird, welche Ziele mit ihr verfolgt werden und zu wessen Nutzen sie ist. Um diese zu beantworten, soll im Rahmen unseres Tutoriums die Rolle der* Ingenieur*in als Produkt und Produzent*in der Gesellschaft untersucht werden – inwiefern die Ingenieur*innen die herrschenden Verhältnisse in der von ihnen entwickelten Technologie reproduzieren – sowie die Frage, ob diese inhärenten Makel einer Anwendung der Maschinen in einer Gesellschaft der Gleichen im Wege stehen. Daran anschließend werden wir die wechselnde Wahrnehmung der Technologie, aktuelle technologische Entwicklungen und Ansätze für gesellschaftliche Herausforderungen diskutieren. Ausgewählte Texte von Foucault, Bloch, Marcuse, Wajcman, Panzieri aber auch aktuelle Fallstudien und Kunstwerke bieten hierfür die  inhaltliche Grundlage. Das Tutorium kann für Teilnehmer*innen aus den Ingenieurwissenschaften ein Anlass der Selbstreflexion sein, soll aber für Studierende aller Fachrichtungen offen sein, um eine Beschäftigung mit der Technologie und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu ermöglichen. Es besteht die Möglichkeit das Tutorium auf Englisch abzuhalten, um internationalen Kommiliton*innen die Teilnahme zu erleichtern.

🛈 Michaela and Kevin offered to give this tutorium in English, if asked for. Here is the announcement in English:

Private spaceflight to Mars, fighting robots making deliveries, microchip brain implants, Industry 4.0, Big-Data Analysis in warehouses and SUVs bigger than ever. While some people unquestioningly celebrate pushing the boundaries of technology as great deeds of (predominantly male) engineers, there is a pressing need to focus on the question of how consciously or unconsciously technology is developed, what goals its development follows and for who it will serve to be used by. To answer this question, we will analyse the role of engineers as products and producers of society: to what extent engineers reproduce the prevailing social relationships in their designs on one hand, and whether these faults stand in the way of applying machines in an
egalitarian society on the other. In addition, we will discuss how technology has been perceived and how it has approached social challenges. We will base our discussions on a wide selection of texts for example by Bloch, Marcuse, Wajcman, Panzieri, several case studies, and works of art. The seminar is open for students of all disciplines – while it can offer engineering students a space for self-reflection, it will provide students of all other disciplines an opportunity to learn more about technology and its role in society. The seminar can be offered in English, international students are welcome.

Donnerstags 18:05 – 19:35
Kontakt: Michaela & Kevin ( mensch.maschine.gesellschaft@gmail.com )

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

„Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.“

(Bertolt Brecht, Die Moritat von Mackie Messer)

Sei es träumend, während einer Nachtschicht, in der euphorischen Erinnerung an durchtanzte Nächte oder doch die qualvolle Angst, die Frauen* und Queers in der Dunkelheit noch viel zu oft begleitet: die Nacht ist omnipräsent. Auch in zahlreichen Textkorpora und Denkgebäuden der Wissenschaften findet sie sich; als Allegorie, als Raum, als Gefühl, als Dunkelheit. Unser Autonomes Tutorium macht es sich zur Aufgabe sich der Nacht affirmativ-feministisch aus drei verschiedenen Richtungen zu nähern: Theoretisch, theaterwissenschaftlich/künstlerisch und praktisch-aktivistisch. Welche widerständigen Potenziale bietet uns die Nacht?, fragen wir.
Nachdem wir zu Beginn Erfahrungen zum Themenkomplex ausgetauscht und Fragen an die Nacht entwickelt haben, fragen wir aus queer-feministischer, post-kolonial informierter Perspektive nach der verstrickten (Kultur-)Geschichte der Nacht, ihren Realitäten für verschiedene Körper in der Stadt, auf der Bühne, in unseren Köpfen, in den Wissenschaften sowie nach den emanzipatorischen Potenzialen, die sie für feministische Politiken birgt.
Unser kulturelles Repertoire und die Episteme der westlichen Moderne sind nicht erst seit der Aufklärung strukturiert von vergeschlechtlichten Dichotomien, die mithilfe von Lichtmetaphoriken funktionieren und nicht selten Nacht und Weiblichkeit assoziieren . Was bedeutet diese Dichotomie und lässt sie sich unterlaufen? Welchen emanzipatorischen Umtrieben bot und bietet die Nacht ihren Schutz? Und ist Schlafen im 24/7-Kapitalismus eigentlich widerständig?
Der zweite theaterwissenschaftliche Block thematisiert die Dunkelheit auf, um und hinter der Bühne: Wer bleibt unsichtbar? Wie lassen sich Nacht und Dunkelheit performativ aneignen, umformen, durchtanzen? Neben klassischer und zeitgenössischer Literatur werden wir gemeinsam Aufnahmen von Performances sehen und diskutieren. Alle Teilnehmenden sind außerdem eingeladen, zusammen eine abendliche Performance zum Thema zu besuchen.
Dem Ausflug in die Zuschauerränge folgt ein praktisch orientierter Block, der es sich zur Aufgabe macht danach zu fragen, wem eigentlich die Stadt (nachts) gehört und wie sie feministisch angeeignet werden kann. Was passiert zum Beispiel, wenn Frauen* in der Stadt tagsüber flanieren und nachts flexen? Neben dem gemeinsamen Lesen, Diskutieren und Flanieren, wollen wir mit erfahrenen Stadtrundgängerinnen einen feministischen (Nacht-)Stadtrundgang entwickeln. Dafür sind zwei Sitzungen am Ende des Tutoriums eingeplant.
Das Tutorium findet darüber hinaus begleitend zu einer Konferenzplanung zu diesem Thema statt, sodass Teilnehmende auf deren Inhalt, und bei Interesse deren Organisation, Einfluss nehmen können.

Freitags 16:15 – 17:45
Kontakt: Magdalene ( magdalene.hengst@gmx.de ) & Carolin ( c.zieringer@live.de )

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Protest regt sich nicht mehr nur in den südlichen Ländern, den Ländern die die Kehrseite des Kapitalismus am deutlichsten zu spüren bekommen. Nach und nach erreicht er auch die Industriestaaten, die sogenannten Länder des globalen Nordens. Seit der Corona-Krise treten die sozialen Bruchstellen noch markanter zu Tage. Die Schere zwischen Arm und Reich wird nochmal mehr auseinandergetrieben.

Im Tutorium wollen wir uns hauptsächlich den Industrieländern widmen, in denen es seit Ausbruch des Corona Virus vermehrt zu systemkritischen Äußerungen und Bewegungen kommt, die sich größtenteils auf die mangelhafte Sozialpolitik beziehen. Um einen möglichst umfassenden Einblick zu erarbeiten, wird das Tutorium in die Teilbereiche Der ProtestDas politische System und Alternative Räume unterteilt. Dabei soll sich in Gruppen an folgenden Aspekten orientiert werden: Wo wird weshalb demonstriert und was soll erreicht werden? Wie wird mit systemkritischen Protesten und allgemeinen systemkritischen, alternativen Schutzräumen von Seiten der Regierung umgegangen? Gibt es staatliche Restriktionen oder Polizeigewalt, die alternative Meinungen eindämmen oder verhindern?

Im Tutorium sollen die Ergebnisse aus den Teilbereichen zusammenzutragen werden, um einen Überblick darüber zu bekommen, wie die politische Organisation und Führung des jeweiligen Landes sind. Wie strukturell alternative Räume akzeptiert oder verdrängt werden. Und wie seitens der Regierung mit Protesten, die sich gegen das System richten, umgegangen wird. Letztendlich hoffen wir, dass wir alle mit umfassenderem Wissen über die globalen Probleme kapitalistischer Gesellschaftsstrukturen aus diesem Tutorium gehen und strukturelle Probleme, wie soziale Ungleichheit und strukturelle Diskriminierung, gezielt als Produkte kapitalistischer, patriarchaler Systeme benennen können.


Wer? Luise Becker und Marie Bonath

Wann? Montag 18-20 Uhr

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Was haben Clowns mit Widerstand zu tun und wie sollen Baumhäuser etwas in der Welt bewegen? Woher kommen all die aktivistischen Gruppen, die in letzter Zeit nur so aus dem Boden sprießen und wie verschaffen sie sich Gehör und geben ihren Gedanken und Zielen einen Ausdruck? Darum und um vieles mehr soll es in diesem Seminar gehen. Wir wollen uns einen Überblick über soziale Bewegungen und autonom organisierten Widerstand verschaffen. Dabei werden sowohl die Inhalte wissenschaftlicher Forschung eine Rolle spielen, als auch eine ganz alltagspraktische Auseinandersetzung mit dem Thema. Fragen, die wir uns beispielsweise stellen werden sind: Was macht eine soziale Bewegung aus? Was können wir von bestehenden Bewegungen lernen? Welche Aktionsformen gibt es? Auf welche Art organisieren und strukturieren Gruppen sich, sodass alle mitreden und entscheiden können? Wie umgehen mit Konflikten um Pazifismus und Militanz? Und wie können Menschen sich vorm ausbrennen schützen und ihrer Utopie schon auf dem Weg näher kommen? Wir werden uns verschiedene Beispiele aus der Klimagerechtigkeitsbewegung, dem Kampf gegen Diskriminierung, sozialer Ungleichheit und Rechtsextremismus anschauen und wenn möglich auch ein Projekt vor Ort kennen lernen.

Wer? Carmen Jäpel

Wann? Mittwoch 16-18 Uhr

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Liebe Studierende,

der Veganismus hat einen zweifelhaften Ruf.

Fragt man die einen, so ist er ein Allheilmittel für sämtliche ökologischen, politischen und globalen Probleme der Welt, eine Allzweckwaffe, die ohne Zweifel funktionieren würde, wenn wir nur alle schlau genug wären, dies zu akzeptieren. Sich vegan zu ernähren, sei die einzig ethisch richtige Entscheidung, sie würde Leben und den Planeten retten und sei zudem die beste Schutzmaßnahme gegen jede Krankheit, die es auf der Erde nur gibt.

Fragt man die anderen, so ist der Veganismus ein Kult, eine Sekte, ein Bund von Extremisten, die sich selber für etwas Besseres halten. Menschen, die ihre eigenen Kinder durch Unterernährung gefährden, allen anderen aber den Untergang der Welt in die Schuhe schieben. Eine militante Minderheit, die anderen Menschen ihr gottgegebenes Recht auf die Freiheit wegnehmen wollen, das zu essen, was sie für richtig halten.

Jenseits dieser Polarisierung möchte ich mir mit euch dem Veganismus von der wissenschaftlichen Seite nähern. Was ist dran an den Mythen, Versprechungen, Drohungen? Sorgt Soja wirklich für Brüste bei Männern? Ist unser Fleischkonsum wirklich der Klimakiller Nummer 1? Sind wir als Menschen nicht dafür gemacht, Tiere zu essen? All diese Fragen möchte ich mit euch vor dem Hintergrund einer Vielzahl an Disziplinen (Ethik, Politik, Geographie, Medizin, …) erörtern und etwas Licht in das pseudowissenschaftliche Dunkel bringen.

Dabei möchte ich von der Diversität und Vielfalt von euch als Teilnehmenden profitieren – wir kommen alle aus unterschiedlichen Disziplinen, was ein gemeinsames Lernen nur bereichern kann. Ich freue mich auf euch!

Wer? Moritz von Knebel

Wann? Donnerstag 16:30-18:00

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Durch Ressourcenbewusstsein Hindernisse und Krisen erfolgreich meistern:

In Zeiten von Krisen, persönlichen Hürden oder neuen Lebensumständen können wir Ressourcen nutzen, um Herausforderungen zu bewältigen. Ob die nächste Prüfung, ein Wechsel vom Studium zum Beruf ansteht oder ein Konflikt: Ressourcen helfen uns, mit Stress umzugehen und eine Balance im Leben zu halten.

Es gibt viele Arten von Ressourcen, z.B. Hobbies, Fertigkeiten oder soziale Kontakte. Sie stärken uns, führen zu mehr Lebensqualität und dienen der Problemlösung. Gerade in der aktuellen Lage von Covid-19, ist es uns nicht immer möglich unseren normalen Alltag zu leben und auf unsere herkömmlichen Ressourcen zurück zu greifen. Der Stresspegel vieler Menschen ist erhöht. Dennoch wird oftmals von uns abverlangt genauso leistungsfähig zu bleiben.

Um auf kleine oder große Liveevents gut vorbereitet zu sein, entdecken wir gemeinsam neue Ressourcen.

Das Tutorium wird mit vielen Selbsterfahrungsanteilen ein Bewusstsein für die eigenen Ressourcen schaffen. Auf der Entdeckungsreise nach neuen Ressourcen nehmen wir tiefere Einblicke in Themen der Psychologie wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Achtsamkeitsübungen nehmen. Neueste Kommunikations- und Konfliktbewältigungs-Skills (nach Ben Furman) werden erarbeitet und diskutiert. Weitere Ressourcenbereiche, die wir uns aneignen wollen, sind das Schlagfertigkeitstraining (nach Vera Birkenbihl), der Umgang mit Kritik sowie Stress- und Zeitmanagement-Skills (nach Andy Gibson).

In Diskussionsrunden wollen wir kritisch hinterfragen, ob in der aktuellen Pandemie genug Angebot geschaffen ist, um Ressourcen auszuüben.

Am Ende des Tutoriums werdet ihr euer Repertoire an Ressourcen erweitert haben, um Herausforderungen erfolgreicher meistern zu können – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Wer? Stefanie Heydt

Wann? Jeweils 10-13:30 Uhr am 13.11., 27.11., 04.12., 18.12., 15.01., 22.01., 05.02.

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

2006 kam, inmitten der durch militärische Invasionen im Irak und in Afghanistan gekennzeichneten Präsidentschaft George W. Bushs, in den USA der Film 300 in die Kinos. Zach Snyders Adaption eines Comics von Frank Miller stellte, in vager Anlehnung an den tatsächlichen Konflikt zwischen griechischen poleis und dem Achämenidischen Perserreich, heroische Spartaner dar, die sich einem tyrannischen, im Stile der Herr-der-Ringe-Trilogie als unmenschlich inszenierten Perserreich entgegenstellten. Dass die Griechen gut und die Perser böse sind erfordert innerhalb des Films wenig bis keine vorausgehende Erläuterung; obwohl die pseudofaschistische Ikonographie der Spartaner deutlich ist, wird davon ausgegangen, dass sie die Heroen sind, mit denen Zuschauer*innen sympathisieren. Doch warum fällt das mediale Übertragen moderner Feindseligkeiten auf einen 2500 Jahre zurückliegenden Konflikt so leicht?

In dem autonomen Tutorium „Von Herodot zu 300 – Orientalismus zwischen Antike und Gegenwart“ sollen die Anfänge der modernen Feindbilder, die mit dem Nahen und Mittleren Osten assoziiert werden, zurückverfolgt werden. In jeder Sitzung soll zunächst eine antike, mittelalterliche oder moderne Quelle, von Herodot bis hin zum Phantom der Oper, analysiert werden und in Relation mit einem Beispiel moderner Popkultur, die die in der Vergangenheit geschaffenen Gegenbilder aufgreift, gesetzt werden. Hierbei sollen grundlegende Werke der Orientalismus.-Kritik wie Edward Saïds Orientalism oder Wael Hallaqs neueres Restarting Orientalism in den ersten Sitzungen als Einführung dienen. Ziel ist, einen Eindruck über orientalische Topoi zu gewinnen, deren Grundlagen zu verstehen, und deren fortlaufende Verwendung in der Moderne zu kritisieren.

Wer? Philipp Höre

Wann? Donnerstag 16-19 Uhr

Für Zugangsdaten melde dich bitte unter tutorien@asta-fra-uas.de.

Die Beziehung zwischen Psychologie, Gesellschaftswissenschaften und Gesellschaftskritik ist komplex. “Buzzwörter” wie Resilienz, Self-Care und Wohlbefinden werden in Fortbildungs- und Selbsterfahrungsworkshops,Selbsthilfeliteratur, Zeitschriften, Business-Ratgebern und Wellnessindustrie immer präsenter. Oft wird vermittelt, dass diesDinge sind, die wir lernen, tun oder haben sollten. Viele der damit verbundenen Ratschläge für mehr Glück, Resilienz,Zufriedenheit und Wohlbefinden richten sich an Einzelne. Manchmal klingen sie so, als ob wir uns für ein besseres Leben nur alle genug anstrengen und verändern müssen. Diese Logik kann Druck aufbauen, die Verantwortung für Veränderungauf Einzelpersonen legen und von diesen eine bessere Anpassung an Gegebenheiten zu fordern. Die Rolle von sozialen Strukturen, Dynamiken und Schieflagen und Forderungen nach sozialen Veränderungen werdendadurch weniger sichtbar. Trotz Kritik an Interpretationen von psychologischen Diskursen um Wohlbefinden kann sich eingenauerer Blick auf diese Schlüsselbegriffe lohnen. Was kann hinter diesen Konzepten stecken? Wie kann eine Praxis, diesich beispielsweise mit Wohlbefinden auseinandersetzt, aussehen? Oder besteht ein unvereinbarer Widerspruch zwischeneiner psychologischen Perspektive auf Wohlbefinden und Resilienz, die an Einzelnen ansetzt und Kritik angesellschaftlichen Strukturen? Wir können Material aus Forschung, Debatten und praktischen Ansätzen anschauen und dasTutorium als Raum für Auseinandersetzungen mit diesen und verwandten Fragen an Schnittstellen von psychologischenund gesellschaftspolitischen Debatten nutzen.

Wichtiger Hinweis:

Obwohl es um Themen wie Resilienz und Wohlbefinden aus dem Fachbereich Psychologie geht: Das Tutorium ist kein Selbsthilfeseminar, praktischer Workshop, praktische Stressprävention oder Resilienztraining. Es ist auch nicht als Ersatz dafür geeignet! Ziel des Tutoriums ist die Diskussion zu dem Thema und eine Auseinandersetzung mit Strukturen, die mit dem Thema verbunden sind”.


Wer? M.G.

Wann? 14- tägig Donnerstags 16:30-19:30

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Dass Memes längst kein Nischenphänomen mehr sind, wurde spätestens deutlich, als USPräsident Trump den Bau der Mauer an der Grenze zu Mexiko oder Sanktionen gegen den Iran via Meme über seine Social-Media-Kanäle ankündigte. Spätestens seit 2015 nutzen auch rechtsextreme Gruppierungen weltweit das Medium zu ihren Zwecken und betreiben einen sogenannten „Meme-Krieg“ um ihre politischen Botschaften online in bunt verpackten Bildern zu verbreiten. „Ein Gegner der lacht, ist schon halb auf unserer Seite“ ist dabei ihre Devise.

Im Tutorium werden wir diese und viele weitere Memes („Pepe the Frog“, „Corona- Memes“ etc.) wissenschaftlich und interdisziplinär analysieren und herausfinden, was sie über den gegenwärtigen globalen Rechtsextremismus, die Digitalisierung und neue Wege politischer Kommunikation aussagen. Wir ergründen dabei bislang unerforschtes Material aus den Abgründen des Internets und analysieren Imageboards, Social-Media-Kanäle und einschlägige Gruppen bekannter Messengerdienste. Die wissenschaftliche Analyse von Memes profitiert dabei ganz besonders von einem interdisziplinären Zugang und umfasst unter anderem Aspekte aus den Bereichen Bildwissenschaft, Politikwissenschaft, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Sozialpsychologie, Sprachwissenschaft sowie Informatik. Wir haben außerdem die Möglichkeit uns selbst in der Erstellung von Memes im Dienste der Wissenschaft auszuprobieren und herauszufinden, ob Memes auch aufklärerischen Zwecken dienen können. Das Tutorium soll einen Einblick in das bislang wenig erforschte Medium bieten und richtet sich explizit an alle interessierten Studierenden mit oder ohne Vorwissen.

Wer?  Nick Nestler

Wann? Mittwoch 16-18 Uhr

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Im modernen Weltsystem (I. Wallerstein) bzw. dem Weltsystem der letzten paar Jahrhunderte wurde Schwarzafrika nicht nur auf wirtschaftlicher, politischer und militärischer-, sondern eben auch auf der philosophisch-intellektuellen Ebene marginalisiert. An vielen westlichen Hochschulen wird die kultur-politische und spirituelle Philosophie Schwarzafrikas (wenn überhaupt) nur am Rande zur Kenntnis genommen. Gelegentlich wird dem Schwarzen Afrika (aus einer rassistisch-eurozentrischen Perspektive heraus argumentierend) gar jegliche Philosophie abgesprochen, was ebenso verwunderlich, wie fachlich unangemessen ist. Schon das Alte Kemet (so der originale Name des sogenannten Ägypten, der in etwa so viel wie „Land der Schwarzen Menschen“ bedeutet) prägte Staatstheorie, Philosophie, Religion, Kunst und Kultur außerhalb des Kontinents maßgeblich. Der senegalesische „Ägyptologe“ und Sprachwissenschaftler Cheikh Anta Diop sprach in diesem Zusammenhang von der „African origin of civilisation“. Aber auch während den letzten Jahrhunderten und insbesondere während den letzten Jahrzehnten, hat die politische Philosophie Schwarzafrikas und ihrer Diaspora, einige innovative Konzepte entwickelt, um den Herausforderungen des gegenwärtigen Zeitalters zu begegnen. Das Tutorium unternimmt den Versuch, umfassend in das Schwarzafrikanische Denken einzuführen und verfährt hierbei chronologisch.

Wer? Marvin Sorg

Wann? Mittwoch 16-18 Uhr

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Would you like to be happier? Would you like to save the world as well? We increasingly

hear how we need to make “sacrifices” to rescue our planet from the climate crisis. But is less consumption really a “sacrifice”? Or is it a blessing in disguise? We often say to ourselves or our children: “I don’t like going to work, but we’ve got to do it” and “no-one likes getting up early, but we have to do it”. We hear these expressions so often that we rarely question them. We produce more now than in the whole of history, without thought for the endless waste – remember “Garbage Island”? Must people really slave away in sweatshops until 10 o’clock at night just so we can throw away our clothes after only a few wears? Perhaps we could work less, sleep more (most people do not sleep enough and it’s slowly killing us) and have more energy to work on ourselves? If we had more time to engage in our communities, learn foreign languages, spend time with our loved ones and unleash our creativity we never knew we had – how would the world look? Most people are far too exhausted after work to consider such activities. The average American spends 4 hours a day watching TV, and who can blame them? How much potential is being lost through this exhaustion? What about our happiness and our health? These tutorials will give an interdisciplinary overview of what it means to be happy – from science and environmental economics to the Philosophy and politics of well-being. These include “Doughnut Economics”, “Sam Vimes’ Theory of Economic Injustice” (Terry Pratchett) and the world’s first hippies, as well as the influential Philosopher Marcuse from the Frankfurt School who was instrumental in the anti-Vietnam War movement and much more. So join us in these interactive tutorials where we, the young generation, will theorise

innovative solutions to the world’s biggest problems and how we can build both happier and planet-saving societies.

We look forward to meeting you and hearing your ideas!

Viva la Resistance!

Wer? Alexander Elliott

Wann?

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Letzte Änderung: 08. November 2020 um 15:15 Uhr von Moin Abbas Qureshi